Ein Ort des Entdeckens

Die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Wachendorf / Eifel. Architekt: Peter Zumthor

Kleine Schilder weisen den Weg zum Parkplatz am Ortsrand von Wachendorf, einem 600-Einwohner-Dorf in der Nordeifel, 40 km von Bonn entfernt. Von hier sieht man bereits das Ziel: die Bruder-Klaus-Feldkapelle präsentiert sich auf einer Anhöhe. Vorbei an Feldern und Scheunen geht es in einem Bogen etwa eine Viertel Stunde zu Fuß leicht bergauf; immer wieder mit Blick auf die turmartige, 12 m hohe Skulptur. Oben angekommen, offenbart sich die wundervolle Lage inmitten der weiten Landschaft. Diese Annäherung Schritt für Schritt scheint Teil des Konzeptes zu sein, ist doch die Kapelle als Ort der inneren Einkehr und Meditation geplant.

Aus „Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben“ faßte die Familie Scheidtweiler aus Wachendorf den Entschluß, dem Schutzpatron der katholischen Landvolkbewegung und Schweizer Friedensheiligen „Nikolaus von Flüe“ eine Kapelle zu errichten. Auf der Suche nach einem Architekten wurde man durch Berichte über den Neubau des Kolumba Kunstmuseums in Köln (siehe CUBE 04/11) auf den Schweizer Architekten Peter Zumthor aufmerksam und gewann ihn für die interessante Aufgabe.

Außen und Innen der auf fünfeckigem Grundriss entstandenen, fensterlosen Kapelle sprechen eine überraschend unterschiedliche Material- und Formensprache und bilden doch eine Einheit. Als Monolith erscheint der Bau nur aus der Ferne, erst die Nähe offenbart die horizontale Schichtung, erst das Betreten die vertikale Struktur. Eine zeltförmige Konstruktion aus 112 Fichtenstämmen bildete die innere Schalung, der Zwischenraum zur konventionellen Außenschalung wurde in 23 Lagen Stampfbeton aus Flusskies, rotgelbem Sand und weißem Zement in alter Handwerkstradition aufgefüllt. Die konstruktiv notwendigen Verbindungen der beiden Schalungen blieben als lichtdurchlässige Löcher erhalten, die mit 350 mundgeblasenen Glaspfropfen verschlossen sind.

Eine dreieckige Öffnung ist Ein- und Ausgang und wird durch eine schwenkbare, gewichtige Tür aus Chromstahl verschlossen. Der schmale Gang mündet in einen runden, sich nach oben verjüngenden, introvertiert höhlenartigen Raum, der oben offen ist. Das so eintretende Streiflicht sorgt auf der von der Schalung verbliebenen Negativstruktur für langsam wechselnde Licht- und Schattenspiele; auf dem Boden sammelt sich das Regenwasser und der Blick nach oben fokussiert den Himmel.

Ein Ort des Entdeckens, der Ruhe und der Meditation – für Gläubige und Architekturinteressierte zugleich.

www.feldkapelle.de

Diesen Text habe ich ursprünglich geschrieben für: CUBE Köln/Bonn, Ausgabe 3-2012